Ein praxisnaher BDSM Workshop in der malerischer Umgebung des Ätnas
Eines meiner Herzensprojekte ist es, Frauen dabei zu unterstützen, in dominante Rollen zu schlüpfen. Ich liebe es, kreative und körperlich erfahrbare Wege aufzuzeigen, wie sie BDSM spielerisch entdecken und dabei ihren ganz eigenen Stil entwickeln können.
Letzten Sommer wurde ich zu einem privaten Retreat auf Sizilien eingeladen. Das war eine Mischung aus entspanntem Zusammensein und BDSM-Workshops. Es gab einen offenen Play Space und richtig gutes italienisches Essen. Als Gast hatte ich völlig freie Hand, welche Workshops ich geben wollte. In solchen Kontexten plane ich meine Workshops bewusst nicht im Voraus. Stattdessen schaue ich mir zuerst die Gruppendynamik an, höre hin, welche Interessen da sind, und entwickle daraus dann ein Format, das genau zu diesem Moment passt.
Beim Brunch kam ich mit einem der Festivalteilnehmer ins Gespräch. Er erzählte mir, wie sehr er auf Ballbusting steht, und schlug vor, gemeinsam einen Workshop dazu zu machen. Ich kenne ihn auch privat aus der Berliner BDSM-Szene und habe mich sehr über seinen Vorschlag gefreut – denn es gibt kaum etwas, das mich mehr reizt, als über einem Mann zu stehen, der sich nach einem Tritt in die Hoden zusammenkrümmt.
Ballbusting gehört zu meinen Lieblingspraktiken, und ich bekomme dafür leider nicht so viele Anfragen, wie ich mir wünschen würde. Ich glaube, viele haben Angst, dass es zu hart oder zu intensiv ist. Umso mehr hat mich die Aussicht begeistert, das Thema einmal gemeinsam aufzuschlüsseln: Techniken zu zeigen, über Sicherheitsaspekte zu sprechen und der Gruppe zu vermitteln, dass Ballbusting nicht zwangsläufig extrem oder brutal sein muss.
Mein Workshop-Partner und ich haben uns kurz zusammengesetzt und den Workshop für den späten Nachmittag angesetzt. Zum Einstieg haben wir erzählt, was uns persönlich daran reizt. Er sprach über die Spannung des Wartens, über dieses bewusste Ausgeliefertsein gegenüber einer kraftvollen Frau und darüber, wie sich die Empfindung im ganzen Körper ausbreitet. Ich habe ergänzt, wie sehr ich es genieße, dass ich einen Mann mit einem einzigen gezielten Tritt zu Boden bringen kann. Mich fasziniert dieses Spiel mit der Erwartung. Wann kommt der nächste Tritt? Und diese feinen Schauer zu beobachten, die allein durch die Anspannung durch den Körper laufen. Und wenn mein Fuß dann mit diesem satten Klatschen auftrifft, gibt mir das einen Energieschub, der sich fast wie ein doppelter Espresso anfühlt!
Wir haben die Gruppe in zwei Reihen aufgestellt, Männer und Frauen einander gegenüber. Zehn nackte Männer standen mit gespreizten Beinen in einer Linie. Vor jedem ein Stuhl, auf dem eine oder manchmal auch zwei Frauen saßen. Die Nachfrage war größer als das Angebot, also wurde teilweise geteilt. Hinter uns ein riesiges Fenster mit Blick auf einen gekachelten Pool, dahinter ein Olivenhain und in der Ferne das glitzernde Ionische Meer. Es gibt diese Momente in Workshops oder auf Play-Partys, in denen mich die Szenerie für einen Augenblick einfach überwältigt, weil der Moment so schön ist. Das war definitiv einer davon.
Viele im Raum hatten sich vorher noch nie bewusst mit Hoden und Hodensack beschäftigt, deshalb haben wir mit etwas begonnen, das ich „Ball Mapping“ genannt habe.
Die Teilnehmenden sollten sich erst einmal Zeit nehmen, zu erkunden: Liegen die Hoden eng am Körper an oder hängen sie eher locker? Ist die Haut weich und dehnbar oder eher straff? Wie fühlt sich das Gewicht in der Hand an? Dann sollten sie mit den Fingern einen Ring um den Hodensack bilden und die Haut vorsichtig spannen.
Anschließend sind sie jeweils weiter zum nächsten Partner gegangen, sodass alle unterschiedliche Körper kennenlernen konnten.
(Hygiene, Konsens und Kommunikation wurden natürlich ausführlich besprochen und entsprechend umgesetzt. Darauf gehe ich hier aber nicht näher ein.)
Vom Mapping sind wir in den spielerischen Teil übergegangen. Ich habe die Frauen ermutigt, mit verschiedenen Berührungen zu experimentieren: leichtes Klopfen mit den Fingerspitzen, sanftes Kratzen mit den Nägeln, Dehnen der Haut.
Dann haben wir die Intensität langsam gesteigert. Erst mit der flachen Hand, dann kräftiger, schließlich auch mit der Faust. Dabei war es wichtig, immer wieder einzuchecken, verbal oder über Körpersprache, Mimik und Atmung. Für viele war dieses bewusste Erkunden von Empfindung und Wirkung eine völlig neue Erfahrung.
Bevor man tritt, ist es wichtig, sich stabil und sicher in der eigenen Haltung zu fühlen und genau zu wissen, welcher Teil des Fußes wo auftrifft. Für den letzten Schritt habe ich deshalb gezeigt, wie man die Distanz zwischen sich und den Hoden des Partners richtig einschätzt. Ein Tritt mit dem Vorfuß fühlt sich ganz anders an als einer, der mit dem Spann im Bereich des Perineums landet.
Als alle Elemente des Ballbustings einzeln geübt worden waren, kamen wir zum spannendsten Teil, der Steigerung der Intensität. Mein Workshop-Partner ging dazu auf alle Viere, mit dem Rücken zu mir, und ich begann, ihn langsam zu treten und die Intensität Schritt für Schritt zu steigern. Gegen Ende der Demonstration zeigte ich auch einige sehr kräftige Tritte und hob hervor, wie besonders der Klang ist, wenn der Fuß genau im richtigen Moment die Hoden und den Damm trifft. Dabei spürt man ein leichtes Stechen auf dem Fußrücken und gleichzeitig ist es ein unglaublich befriedigendes Gefühl. If you know, you know!
Ich spielte außerdem mit dem Timing, ließ bewusst Pausen entstehen und zögerte den nächsten Tritt hinaus. Man konnte deutlich sehen, wie sich die Ungewissheit darüber, wann der nächste Kick kommt, auf seine Atmung auswirkte und die Spannung in seinem Körper veränderte. Es ist faszinierend, wie stark dieser mentale Aspekt wirken kann. Manchmal ist dieses Spiel mit der Zeit intensiver als der eigentliche Tritt selbst.
Nachdem ich mich ein wenig in meinem sadistischen Hoch gesonnt hatte, sprachen wir über die notwendige Erholungszeit zwischen den Tritten. Anschließend zeigten mein Workshop-Partner und ich noch eine alternative Position, die fast schon etwas Romantisches hatte. Zwei Menschen stehen sich gegenüber, halb in einer Umarmung, und die Frau stößt dem Mann mit dem Knie in die Hoden. Wir erklärten der Gruppe, dass dies eine spielerische Alternative zu einem Kuss sein kann, vielleicht etwas für den nächsten Jahrestag oder sogar den Valentinstag.
Zum Abschluss haben sich alle Frauen bei den Männern bedankt, die sich uns zur Verfügung gestellt haben. Für mich ist das einer der wichtigsten Aspekte solcher Workshops: Dankbarkeit gegenüber denen, die uns ihre Körper anvertrauen, die uns Raum geben und uns das Vertrauen schenken, unsere feminine Kraft zu entfalten und darin zu wachsen. Es ist etwas sehr Besonderes, solche Männer um sich zu haben.
Gott sei Dank für masochistische Männer!
