Notizen aus einer Anfänger Session in Zürich
In unserem Vorgespräch erfuhr ich, dass er bereits einige Tantramassagen gebucht hatte und diese sehr mochte. Er hatte mein Profil auf einer Tantra Massage Webseite gefunden und erzählte mir, dass ihn besonders die Stelle in meinem Profiltext angesprochen habe, in der ich beschreibe, wie ich mich wie eine Schlange um den Körper wickle. Dieses Bild war es, das ihn schließlich dazu brachte, eine Session bei mir zu buchen.
Er war mehr daran interessiert, BDSM zu erkunden als eine Massage zu empfangen, konnte jedoch ohne Vorerfahrung noch nicht genau benennen, wonach er suchte. Aufgrund dessen, was ihn dazu bewegt hatte, mich zu kontaktieren, hatte ich bereits eine Vorstellung davon, welche Art von sinnlicher Reise zu ihm passen könnte, brauchte aber noch etwas mehr Orientierung. Vor einer Tantramassage bitte ich die Person immer, drei Worte oder Qualitäten zu nennen, die sie erleben möchte. Das habe ich auch ihn gefragt.
Gehalten. Ekstatisch. Sinnlich.
Diese Worte gaben mir ein klares Gefühl dafür, wonach er suchte, auch wenn ihm selbst noch die Sprache dafür fehlte.
Ich holte ihn ab, nachdem er mit dem Duschen fertig war, und legte ihm sofort eine Augenbinde an. Das mache ich gern bei Anfängern. Wenn der Sehsinn genommen wird, kann das helfen, sich tiefer in sich selbst hineinzuspüren. Anhand der Reaktionen auf meine Berührung kann ich einschätzen, ob genügend Vertrauen vorhanden ist, um sich hinzugeben, ob jemand Kontrolle abgeben kann und ob er meinen Händen folgt, während ich ihn führe.
Ich führte ihn in den Dungeon der Van Cane Studios, fesselte seine Arme mit Seil und beugte ihn nach vorne über den Spankingbock.
Ich entschied mich, zu Beginn dieser Session Elemente aus dem Tantra einzubauen. Was ich an der AnandaWave Methode besonders schätze, ist, dass ein zentrales Merkmal der Massage darin besteht, dass der ganze Körper berührt wird. Ich ließ meine Fingerspitzen seinen Oberkörper und seine Beine hinabgleiten und dann wieder nach oben. Ich benutzte meine Flogger ähnlich wie ich sonst Öl verteilen würde, zog sie in langen Bahnen entlang der Yin-Yang Linien, bevor ich die Wirkung steigerte. Ich achtete auf seinen Atem und seine körperlichen Reaktionen und passte Stärke und Rhythmus der Schläge entsprechend an.
Noch immer mit verbundenen Augen fixierte ich ihn im Boomer und setzte mit recht forderndem Nippelspiel fort, wobei ich darauf achtete, dass alles weiterhin gut integriert blieb. Ich führte ihn durch eine ekstatische Prostata-Erfahrung, seine erste, und beendete die Session mit einer lingamfokussierten Massage.
Diese Session unterschied sich äußerlich nicht von einer typischen BDSM-Erfahrung: Bondage, Peitschen, Nippelklemmen, BDSM-Möbel usw. Was sich jedoch spezifisch tantrisch anfühlte, war die Art und Weise, wie ich bestimmte Elemente integrierte, die Arbeit mit dem ganzen Körper, die Intention, dass der Empfangende seine körperliche Wahrnehmung erweitert, sowie die bewusste Einbindung des Atems.
Im Nachgespräch sagte er mir, dass es eine wunderschön intensive Session und eine großartige erste Erfahrung für einen Anfänger gewesen sei. Ich reflektierte darüber, wie Tantra oft als Einstieg in die Erkundung von BDSM fungieren kann. Für manche bietet der Rahmen einer bewussten Körperarbeit das Maß an Sicherheit, das Anfänger brauchen, bevor sie sich weiterem BDSM annähern. Doch die bewusste Berührung, die ich in unserer Begegnung eingesetzt habe, ist etwas, das viele Menschen, die BDSM praktizieren, ohnehin ständig tun. Angesichts der deutlich stärkeren Stigmatisierung von BDSM in der Öffentlichkeit ist es nachvollziehbar, dass Anfänger annehmen, es sei zu hart für sie. Dabei existiert BDSM entlang eines breiten Spektrums, und durch unzählige Situationen mit Kolleginnen und Kollegen sehe ich, wie fein sie darin sind, körperliche Reaktionen zu lesen und Schläge, Timing und Druck entsprechend anzupassen.
Ob sie es explizit benennen oder nicht, viele BDSM-Anbieter verfügen durch jahrelange, praktische Arbeit über eine ausgeprägte Intuition und Empathie.
Wenn man die esoterischen und spirituellen Elemente, die in Tantrakreisen häufig präsent sind, weglässt, bin ich mir nicht sicher, ob BDSM und Tantra tatsächlich so unterschiedlich sind. Oft habe ich den Eindruck, dass sich, trotz unterschiedlicher Techniken, die Art und Weise, wie ich in einer Massage Raum halte, sehr der Art ähnelt, wie ich in einer BDSM-Session Raum halte.
Für manche Menschen, die sich zu BDSM hingezogen fühlen, ist Berührung genau das, was sie brauchen, um tiefer zu gehen. Wenn ich jemanden kräftig auspeitsche, möchte ich, dass diese Person präsent ist. Das kann nur geschehen, wenn Vertrauen vorhanden ist, nicht nur auf mentaler Ebene, auf der Wünsche, Grenzen und Tabus besprochen wurden, sondern auch auf körperlicher Ebene. Durch Berührung entsteht eine besondere Form von Vertrauen. Manchmal lege ich zwischen den Schlägen eine Hand auf die brennende Haut, damit die Person spürt, dass ich da bin. Wir atmen für einen Moment gemeinsam. Die gleiche Art nonverbaler Kommunikation kann auch in psychologisch geprägtem Spiel entstehen.
In letzter Zeit denke ich oft darüber nach, dass die Intention hinter Tantra und BDSM dieselbe sein kann und sich lediglich die Techniken unterscheiden.
Ich erlebe, dass manche Menschen, die sich zu BDSM hingezogen fühlen, ein höheres Maß an Intensität brauchen, um vollständig bei sich anzukommen. Die Aufgabe des Empfangens in einer Tantramassage ist nicht einfach, sie will geübt werden und geht nicht ohne Widerstände. Ebenso ist es nicht leicht, sich in einem BDSM-Kontext hinzugeben, körperlich wie mental. Doch genau in diesem inneren Zustand findet Transformation statt.
Wenn du also neugierig auf BDSM bist, aber zögerst, es auszuprobieren, kann manchmal eine einzige Erfahrung ausreichen, um dein Verständnis davon zu verändern.
