Sinnliche Dominanz. Berlin. Zürich. FMTY.

Person in a latex catsuit restrained on a bondage table during an extended BDSM session

Warum ich Langzeitsessions liebe | Professionelle Domina in Berlin

Vor ein paar Wochen trafen sich Johanna Weber, Annabel Schöngott und ich auf ein Glas Wein und ein paar Snacks, um ein wenig zu fachsimpeln. Ich verbringe immer gerne Zeit mit den beiden. Unsere Spielstile sind definitiv unterschiedlich, aber sie überschneiden sich auch in vielerlei Hinsicht, und ich lasse mich oft von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung inspirieren. 

Im Laufe des Abends schweifte das Gespräch in verschiedene Richtungen, und irgendwann kamen wir darauf, wie sehr wir Langzeitsessions lieben. Es war spannend zu hören, wie wir dazu gekommen sind und was uns an dieser Spielart besonders gefällt.

Meine ersten Erfahrungen mit Langzeitsessions

Am Anfang habe ich meist einstündige Sessions gemacht. Das funktionierte für mich gut, weil die ersten ein, zwei Jahre als professionelle Domina eine völlig andere Erfahrung waren als privates Spiel in der BDSM-Szene. In einem Studio mit Kolleginnen zu arbeiten bedeutete, die Session so zu strukturieren, dass genug Zeit für das Vorgespräch und die Dusche vor der Session blieb, aber auch für ein Nachgespräch und das Putzen, damit der Raum für die nächste Kollegin wieder bereit war. Ein Gast, der eine Session bei mir buchte, weil ihm mein Profil gefiel oder spontan im Studio vorbeikam, war etwas völlig anderes als jemand in einem Club oder auf einer Playparty kennenzulernen. Und dann erst einmal herauszufinden, wo unsere Interessen zusammenpassen, war etwas, an das ich mich erst gewöhnen musste.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Langzeitsession. Es war ein dreistündiges Rollenspiel und ich war nervös! Ich wollte weder die Wünsche meines Gastes vergessen noch irgendwann nicht mehr wissen, wie es weitergeht und damit die Fantasie unterbrechen. Also bereitete ich vor der Session eine sehr detaillierte Liste mit verschiedenen Szenen und jeweils ein paar Stichpunkten mit Spielideen vor, damit ich den Ablauf nicht vergesse. Ich versteckte die Liste in einer der Spielzeugregale im Raum, damit ich einen Blick darauf werfen konnte, falls mir die Ideen ausgehen sollten.

Als das Spiel dann begann, brauchte ich die Liste gar nicht mehr. Ich kam in meinen Flow und es lief wunderbar. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich meiner Expertise vertrauen kann. Auch wenn ich damals noch neu in der professionellen Arbeit war, hatte ich meine spielerischen Fähigkeiten im Privatleben bereits über viele Jahre verfeinert. Der Druck entstand schlicht daraus, dass jemand für diese Session bezahlte und ich wollte, dass alles perfekt ist. Mir die Session vorher auszumalen half mir, sie innerlich zu visualisieren, sodass ich das Skript loslassen und meiner Intuition folgen konnte, wenn der Moment es verlangte. 

Was ich an Langzeitsessions liebe

Ich liebe den schnellen, direkten Reiz einer „wham bam thank you ma’am“ Session, aber Langzeitsessions haben ihre ganz eigene Qualität. Für mich geht es dabei nicht einfach darum, mehr zu machen, sondern darum, Raum für etwas ganz anderes entstehen zu lassen. Sie geben Zeit, Vorfreude aufzubauen und Empfindungen auf nuancierte Weise wachsen zu lassen.

Eine Langzeitsession muss nicht gleich mehrere Stunden oder einen ganzen Tag dauern. Schon eine Verlängerung auf neunzig Minuten statt einer Stunde kann Raum schaffen, um tiefer einzutauchen. Es ist wunderbar, für eine Weile aus dem Druck des Alltags auszusteigen. Die Intensität wächst, wenn kein Blick auf die Uhr nötig ist, und es fühlt sich ausgesprochen luxuriös an, die Zeit für eine Weile zu vergessen.

In einer Langzeitsession erschaffe ich eine parallele Fantasiewelt, die einen völlig anderen emotionalen und psychologischen Raum eröffnet. Es gibt Platz für unterschiedliche Höhepunkte und ruhigere Phasen, traumartige Momente, unterbrochen von mehr Intensität und Überraschungen. 

Manche Dinge sind wie geschaffen für Langzeitsessions, etwa in einem Ledersack eingeschlossen zu sein oder rituell in Latex gekleidet zu werden. Aber es gibt auch Dinge, bei denen man es vielleicht nicht sofort erwarten würde, wie eine lange Flogging-Session. Eine besonders schöne Session vor ein paar Monaten war ein mehrstündiges Flogging. Natürlich bin ich nicht direkt mit maximaler Intensität eingestiegen. Ich habe den Körper zunächst aufgewärmt und den Empfindungen Zeit gegeben, sich zu entwickeln. Endorphine und andere neurochemische Prozesse, die an Schmerz- und Lustreaktionen beteiligt sind, verändern sich mit der Zeit, und ich plane das ganz bewusst in Rhythmus und Tempo ein. Ich steigerte die Intensität nach und nach und setzte unterschiedliche Flogger zu verschiedenen Zeitpunkten ein. Am Ende war es eine euphorische sensorische Reise.

Wie Langzeitsessions aussehen können

Es gibt ganz unterschiedliche Arten, Langzeitsessions zu gestalten.

Es gibt einen Gast, den ich für einen ganzen Tag oder eine Overnight-Session treffe. Wir haben intensive Spielphasen über mehrere Stunden, dann genießen wir ein köstliches Essen und teilen eine Flasche Wein, während wir über Kultur und Politik sprechen. Ich genieße die Gesellschaft meiner Gäste auf Augenhöhe und kehre dann in unsere Machtdynamik zurück, wenn der Moment danach verlangt. Nach dem Abendessen spielen wir weiter, vielleicht benutze ich ihn mitten in der Nacht als Toilette, und am Morgen muss er bereit sein, mir nach dem Frühstück zu dienen.

Ein anderer Gast liebt lange Phasen der Restriktion, in denen er in meinem Ledersack von McHurt steckt. Es ist unglaublich aufregend, eingepackt zu sein und nicht zu wissen, wann ich die strategisch platzierten Reißverschlüsse öffnen und das Spiel wieder aufnehmen werde. Der Sack hat eine abnehmbare Leder-Maske mit Reißverschluss, sodass ich kontrollieren kann, wie viele Sinneseindrücke er bekommt. Nicht zu wissen, was als Nächstes kommt, das Geräusch meiner High Heels, wenn meine Schritte sich nähern, die Vorfreude darauf, wann er meine Berührung wieder spüren wird, all das wird Teil der Session. Manchmal ist er vollständig in Dunkelheit eingeschlossen, in anderen Momenten lasse ich ihn ein wenig sehen…zum Beispiel, wenn ich die Maske abnehme und sein Gesicht als Kissen benutze, während ich an meinem Laptop arbeite. 

Ein weiterer Gast kommt ein- bis zweimal im Jahr nach Berlin und wir treffen uns mehrmals über den Verlauf einer Woche. Dieses Arrangement ist perfekt für Menschen mit beruflichen Verpflichtungen oder für diejenigen, die ein wenig Sightseeing machen möchten. Er teilt mir seinen Zeitplan im Voraus mit, und ich plane unser Spiel um seine freien Zeiten herum. Ich streue hier und da Überraschungen ein, und die Tatsache, dass wir uns an verschiedenen Tagen an unterschiedlichen Orten treffen, lässt meine kreativen Ideen sprudeln. Es ist eine weitere Form von Langzeitsession, die in den Alltag eingewoben ist und ein Geheimnis nur zwischen uns beiden bleibt. Hier ist ein Blog, den ich über einen seiner Besuche geschrieben habe: Ein ruinierter Orgasmus pro Tag in Berlin 

Wenn du eine weitere Perspektive auf Langzeitsessions lesen möchtest, schau dir auch Johanna Webers Blog zum gleichen Thema HIER an..

Und hier sind die Webseiten meiner beiden Kolleginnen, die ich wärmstens empfehlen kann:

Johanna Weber

Annabel Schöngott