Gedanken über bizarre Dominanz
English version: “Can I Touch You?” – Thoughts on Sensual Domination
Ich bekomme sehr oft die Frage: „Bist du berührbar?“
Und meine Antwort darauf ist: Ich bin weder „berührbar“ noch „nicht berührbar“.
Mit der Bezeichnung Domina kommt oft die Unterscheidung zwischen „klassisch“ und „berührbar“ oder zwischen Domina und Bizarrlady.
Ich verstehe, warum sie existieren. Gerade in Berlin gibt es eine riesige Auswahl, und wenn jemand nach bestimmten Praktiken sucht, helfen solche Begriffe bei der Orientierung. Ein Gast möchte selbstverständlich eine Person buchen, die seine Vorlieben teilt. Daran ist überhaupt nichts falsch.
Aber ich finde mich eigentlich in keiner dieser Kategorien wirklich wieder.
Vielleicht liegt das daran, dass Englisch meine Muttersprache ist. Die Unterscheidung zwischen Bizarrlady und Domina ist sehr spezifisch für den deutschsprachigen Raum. Internationalen Gästen sagt der Begriff „Bizarrlady“ oftmals gar nichts.
Die ersten acht Jahre habe ich als Bizarrlady gearbeitet, und vor ein paar Jahren habe ich angefangen, mich als Domina zu bezeichnen.
Aber auch dort fand ich mich wieder mit der Frage konfrontiert: klassisch oder berührbar?
Bei mir ist es zum Beispiel nicht möglich, einfach Facesitting oder das Berühren meiner Brüste zu buchen. Das sind Dinge, die ich früher angeboten habe, aber über die Jahre habe ich etwas über mich selbst und meine Art zu arbeiten gelernt.
Für mich entsteht in einer Session eine bestimmte Chemie zwischen zwei Menschen. Und diese Chemie bestimmt auch, was für mich in diesem Moment passt. Wenn es sich richtig anfühlt, können bestimmte Dinge passieren, die in einer Session mit einer anderen Person vielleicht überhaupt nicht passieren würden, einfach weil sie dort nicht passen.
Das gehört zu meiner Art von Dominanz. Sie ist verspielt, weiblich und verrucht. Ich liebe es, meinen Körper zu benutzen, um deinen zu dominieren, dich zu verführen, dich zu benutzen.
Ich bin ein sehr körperlicher Mensch. Ich mag Hautkontakt und Nähe. Ich wickele mich um deinen Körper und bringe dich damit um den Verstand.
Und leider höre ich oft: „Dominas machen das nicht.“ Oder: „Das hat nichts mit Dominanz zu tun.“
Ich bin aber sehr sicher in meiner eigenen Dominanz. Mir kann niemand sagen, dass das, was ich tue oder nicht tue, nicht dazu passt.
Als ich angefangen habe, professionell als Domina zu arbeiten, war ich zunächst in Studios, in denen die Unterscheidung zwischen Bizarrlady und Domina sehr streng war.
Ein paar Jahre später lernte ich Johanna Weber kennen. Das war ein sehr wichtiger Moment für mich, weil sie meine Vorstellung von Dominanz wirklich erweitert hat.
Ihre Art von Dominanz ist nahbar und authentisch, genau wie sie selbst. Das hat mich damals (und noch heute) sehr inspiriert. Durch gemeinsame Sessions oder Gespräche im Aufenthaltsraum mit ihr habe ich sehr viel gelernt.
Aber was ich durch sie vor allem gelernt habe, war: Meine Dominanz ist meine eigene.
Ich kann sie ausdrücken, wie ich möchte. Ich kann genau das anbieten, was ich möchte, nach meinen eigenen Wünschen und meinen eigenen Stärken. Und das positive Feedback, das ich von meinen Gästen bekomme, bestärkt mich darin, meinen eigenen Weg zu gehen.
Ich schätze sehr an Deutschland, und besonders an Berlin, dass Sexarbeit hier legal ist, was eine große Vielfalt an unterschiedlichen Ausdrucksformen von Dominanz möglich macht. Menschen, die eine BDSM-Session buchen möchten, haben dadurch eine unglaublich große Auswahl, und das ist etwas sehr Besonderes.
Und genau das liebe ich auch an meinen Kolleginnen. Jede bringt ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigenen Vorlieben und ihre ganz eigene Art von Dominanz mit. Ich finde es wunderbar, wie unterschiedlich wir sein können.










































